Wohnraum statt Leerstand!

Bündnis für dezentrales Wohnen für Geflüchtete und sozialen Wohnungsbau

(english below)

Aufruf zur Demonstration in Kassel am 12.12.2015
Start: 14 Uhr am Hugenottenhaus, Friedrichstr. 25 (2 Min Fußweg, Rathaus)

Deutschland im Herbst 2015: Bundesweit herrscht Notstandsrhetorik. Behauptet wird die „Flüchtlingskrise“ überfordere das Land. Das ist falsch: Die Probleme bei der Unterbringung von Geflüchteten sind das Ergebnis einer verfehlten Politik!

Massenunterbringung nährt Rassismus

Auf engstem Raum mit fremden Menschen, weit ab vom Stadtzentrum und oft ohne die Aussicht bleiben zu können. So müssen Menschen, die vor Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit geflohen sind, in Deutschland leben. Zeltlager, Containersiedlungen und abgelegene Sammelunterkünfte sind mit dem Recht auf ein menschenwürdiges Leben unvereinbar. Zudem erschwert die Massenunterbringung den Austausch mit dem Rest der Bevölkerung und verhindert eine Kultur der Begegnung. In einer Situation, in der rechte Parteien und Bewegungen Rassismus offen auf die Straße tragen, ist das brandgefährlich, weil damit rassistischer Hetze und Übergriffen ein Nährboden bereitet wird.

Für einen politischen Kurswechsel

Es braucht einen Kurswechsel: Dezentrales Wohnen und gesellschaftliche Teilhabe von geflüchteten Menschen statt Ausgrenzung durch Massenunterbringung! Dazu gehört auch eine umfassende Unterstützung durch Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen. Die Forderung nach privatem Wohnraum für Geflüchtete wird jedoch oft mit dem Verweis auf ohnehin knappen Wohnraum zurückgewiesen. Dies überdeckt politische Versäumnisse: die Frage nach bezahlbarem Wohnraum wurde seit Jahren vernachlässigt. Kommunale Gebäude werden privatisiert, gebaut wird vor allem hochpreisig. In Kassel steigen die Mieten. Gleichzeitig steht Wohnraum leer. Das Argument leerer Kassen für soziale Investitionen ist gerade für die Stadt Kassel zynisch, die Gewerbesteuern von gigantischen Rüstungsproduzenten einstreicht und so seit Jahrzehnten mit Fluchtursachen, Krisen und Kriegen die Stadtkassen füllt.

Gemeinsam für sozialen Wohnungsbau und selbstbestimmtes Wohnen

Das sogenannte „Problem der Flüchtlingsunterbringung“ ist Teil einer verfehlten Wohnraumpolitik. Betroffen sind Studierende, Menschen mit geringem Einkommen, Bezieher*innen von Transferleistungen, Rentner*innen, Alleinerziehende und Geflüchtete gleichermaßen. Selbstbestimmtes Wohnen darf nicht Privileg weniger werden! Unser Kampf um Wohnraum und gegen die Aushöhlung des Rechts auf Asyl kann deshalb nur gemeinsam Erfolg haben! Kommt zur Demo und fordert mit uns:

ein Sofortprogramm zur Schaffung menschenwürdigen Wohnraums für Geflüchtete: Raus aus den Massenunterkünften!
gesetzliche Initiativen, die Zugang zu und Nutzung von Leerstand ermöglichen: Leerstand zu Wohnraum!
ein öffentliches Investitionsprogramm für bezahlbare und selbstbestimmte Wohnmöglichkeiten für alle: Sozialer Wohnungsbau statt Immobilienspekulation und Luxusappartments!
gleiche Rechte für alle statt Entrechtung und Abschiebungen: Nein zu Asylrechtsverschärfungen!

Wohnraum statt Leerstand

Living space, not empty houses!
Coalition for decentralised living for refugees and social housing

Demonstration in Kassel, 12 December 2015

Assembly: 2pm at the Hugenottenhaus, Friedrichsstr. 25 (2 min. walk from Rathaus/Town Hall)

Germany, autumn of 2015: throughout the country a rhetoric of emergency prevails. It is claimed that the ‘refugee crisis’ is overburdening the country. This is wrong: the problems connected to the housing of refugees are the result of misled policies.

Mass accommodation nurtures racism

In tiny spaces, with unfamiliar people, far from the city centres and often without a perspective to stay – this is how people who fled from war, poverty and the lack of prospects have to live in Germany. Tent and container camps and far-off mass accommodations are incompatible with the right to live with human dignity. Mass accommodation, moreover, obstructs the interchange with the rest of the population and thus makes a culture of meeting each other impossible. This is extremely dangerous in a situation where far-right parties and movements take with racism to the streets, since it prepares the grounds for agitation and assaults.

For a change of policy

A change of policy is needed: decentralised accommodation and societal participation of refugees, rather than exclusion and mass accommodation. This includes integral support from social workers and psychologists. The demand for private accommodation for refugees is often rebutted with reference to a general lack of living space. This serves to obscure political failure, since the question of affordable housing has been neglected for years. Municipal housing was privatised, construction is predominantly in high-price segments. Rents in Kassel are rising. At the same time, existing living space is left unoccupied. The argument of empty coffers is cynical especially for a city like Kassel which is benefitting from business tax contributions by big arms corporations and thus benefits from what causes people to flee, from crises and wars.

Together for social housing and self-determined living

The so-called ‘problem of refugee accommodation’ is part and parcel of misled housing policies. These equally affect students, low earners, beneficiaries of transfer payments, pensioners, single parents and refugees. Self-determined living must not become a privilege. Our fight for living space and against the undermining of the right to asylum can only be successful if we stand together. Come to the demonstration and demand with us:

the immediate implementation of a programme to create living space with human dignity for refugees – abolish mass accommodation!

legal initiatives to permit access to and the use of idle housing capacities – empty houses to living spaces!

a public investment programme for affordable and self-determined living for everyone – social housing instead of property speculation and luxury apartments!

equal rights for all instead of deprivation of rights and deportations – no to restricting the right to asylum!

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